verklären
Die Eidgenossen integrierten erbeutete Objekte in Darstellungen und Erzählungen über ihre eigene Vergangenheit und verklärten dabei sowohl die Objekte als auch deren Geschichten.
Die burgundischen Trophäen dienten so als Belege für glorreiche Taten, aber auch für verhängnisvollen Luxus. Durch die Zeit nahmen so unterschiedliche Vertreter der herrschenden politischen Klassen die Trophäen zur Hand, um ihre Interessen mit Geschichte zu fördern, seien es patrizische Familien, Republikaner oder später Nationalisten.
Dieser Prozess der Verklärung wird besonders dort sichtbar, wo geplünderte Objekte ausgestellt und der Öffentlichkeit präsentiert wurden.
In diesen Präsentationen steckten Botschaften über die eigene Gesellschaft und ihr Verhältnis zur Aussenwelt: Im Ver-klären der Beute werden Ideen über Geschlechterrollen, kulturelle Fremdheit und Zugehörigkeit sichtbar.
verklären
In der oft verklärenden Präsentation burgundischer Trophäen zeigt sich, wie sich die Eidgenossen – und später die Schweizer – auf einer breiteren kulturellen Ebene selbst dargestellt sehen wollten.
Ausstellungen von Beuteobjekten in Museen, Zeughäusern, Bibliotheken, öffentliche Spektakel und Rituale zeigen, wie verschiedene Gruppen sich diese Objekte aneigneten, um unterschiedliche Bedeutungen zu vermitteln.
Die Art und Weise, wie Geschlecht und «Fremdheit» in die mit der burgundischen Beute verbundenen Erzählungen eingebunden wurden, verweist einerseits auf Informationslücken in historischen Archiven über bestimmte Gruppen, etwa Frauen, und legt andererseits die Entstehung fiktionaler Narrative über das vermeintliche Wesen der Schweizer und ihrer Geschichte offen, für deren Veranschaulichung die burgundischen Objekte herangezogen wurden.
Die ver-klärenden Präsentationen zeigen, wie kulturelles Erbe durch Erzählungen über die Beziehung zu «Anderen» gebildet wird. Zugleich konnten solche Verklärungen handfeste Auswirkungen haben, bei der geschlechterspezifischen Rollenzuweisung im Bewahren der Geschichte etwa. Im 19. und 20. Jh. waren Frauen die Konservatorinnen der erbeuteten Fahnen während Männer als Kuratoren und Direktoren die historischen Museen bestimmten.