Prototyp

verklären

Die Eidgenossen integrierten erbeutete Objekte in Darstellungen und Erzählungen über ihre eigene Vergangenheit und verklärten dabei sowohl die Objekte als auch deren Geschichten.

Die burgundischen Trophäen dienten so als Belege für glorreiche Taten, aber auch für verhängnisvollen Luxus. Durch die Zeit nahmen so unterschiedliche Vertreter der herrschenden politischen Klassen die Trophäen zur Hand, um ihre Interessen mit Geschichte zu fördern, seien es patrizische Familien, Republikaner oder später Nationalisten.

Dieser Prozess der Verklärung wird besonders dort sichtbar, wo geplünderte Objekte ausgestellt und der Öffentlichkeit präsentiert wurden.

In diesen Präsentationen steckten Botschaften über die eigene Gesellschaft und ihr Verhältnis zur Aussenwelt: Im Ver-klären der Beute werden Ideen über Geschlechterrollen, kulturelle Fremdheit und Zugehörigkeit sichtbar.

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verordnen

In neuen Händen wurden Beutestücke unter anderen Besitztümern geordnet, gehütet und definiert.

Wer bestimmen konnte, wo und wie die burgundischen Schätze eingelagert werden sollten, verfügte auch über die Macht, sie zu definieren und zu nutzen.

Dieses Verordnen wird in Inventaren deutlich, die nicht nur einen Überblick über erbeutetes Gut herstellen, sondern sie auch sichern und ihre Bedeutung festschreiben sollten.

Teil des Ordnens und Sicherns wurde besonders bei fragilen Objekten bald auch der Kampf gegen den Zerfall. Mit Konservierungsmassnahmen versuchte man während mehreren hundert Jahren, bestimmte Beutestücke zu erhalten.

verordnen

vervielfältigen

Bestimmte Beutestücke wurden aus unterschiedlichen Gründen vervielfältigt. Manchmal geschah das bereits kurz nach ihrer Entstehung, manchmal erst Jahrhunderte später. Eine Vervielfältigung erhöht die Nutzungsmöglichkeiten eines Gegenstands. Sie führt aber auch zur verwirrenden Frage, welches Objekt nun wirklich echt ist.

Besonders fragile textile Objekte wurden auch vervielfältigt, um sie zu erhalten oder um die Kopien zu gebrauchen, aber das Original bestmöglich zu schützen. Das gilt auch für viele der nur in begrenzter Zahl erhaltenen burgundischen Beutestücke. Mit Kopien liess sich die glorreiche Vergangenheit mehrfach prächtig in Szene setzen. Das zeigt sich vor allem bei den im 19. Jahrhundert so beliebten Festumzügen.

Reproduktionsverfahren wie abzeichnen, drucken oder fotografieren eröffneten weitere Vervielfältigungsmöglichkeiten. Burgundische Trophäen wurden zunehmend als Zeugen der mittelalterlichen (Kunst-)welt geschätzt. Und sie boten künstlerische Inspiration für zeitgenössisches Design.

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verwerten

Die erbeuteten Objekte waren auf unterschiedliche Weise wertvoll: Einige waren aus kostbaren Materialien aufwendig gearbeitet. Andere hatten besondere symbolische Bedeutungen.

Die Eidgenossen verwerteten die Beutestücke entsprechend unterschiedlich.

Brauchbares und Kostbares wurde bereits nach den Schlachten verkauft oder beispielsweise eingeschmolzen.

Ausgewählte Objekte erklärte man zu bedeutungsvollen Zeichen des Sieges oder zu Trägern ganz neuer Geschichten — ihre Bedeutung und damit auch ihr Wert wurde verändert.

Unter diesen symbolischen Trophäen fanden sich aber auch Objekte, die gar nichts mit der Burgunderbeute zu tun hatten. Auch fremde Dinge wurde die glanzvolle Siegeserzählung angedichtet.

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