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Bestimmte Beutestücke wurden aus unterschiedlichen Gründen vervielfältigt. Manchmal geschah das bereits kurz nach ihrer Entstehung, manchmal erst Jahrhunderte später. Eine Vervielfältigung erhöht die Nutzungsmöglichkeiten eines Gegenstands. Sie führt aber auch zur verwirrenden Frage, welches Objekt nun wirklich echt ist.

Besonders fragile textile Objekte wurden auch vervielfältigt, um sie zu erhalten oder um die Kopien zu gebrauchen, aber das Original bestmöglich zu schützen. Das gilt auch für viele der nur in begrenzter Zahl erhaltenen burgundischen Beutestücke. Mit Kopien liess sich die glorreiche Vergangenheit mehrfach prächtig in Szene setzen. Das zeigt sich vor allem bei den im 19. Jahrhundert so beliebten Festumzügen.

Reproduktionsverfahren wie abzeichnen, drucken oder fotografieren eröffneten weitere Vervielfältigungsmöglichkeiten. Burgundische Trophäen wurden zunehmend als Zeugen der mittelalterlichen (Kunst-)welt geschätzt. Und sie boten künstlerische Inspiration für zeitgenössisches Design.

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Insbesondere textile Objekte sind sehr fragil. Das gilt auch für besondere Triumphzeichen, nämlich auf dem Schlachtfeld erbeutete Fahnen. Sie wurden zunächst im öffentlichen Raum prominent ausgestellt, zerfielen aber rasch. Abgemalte und später gedruckte Kopien ermöglichten einen symbolischen Erhalt der Trophäen. Kopieren bedeutet aber immer auch Verändern.

Reproduktionen und fiktionale Neuschöpfungen des 19. Jahrhunderts liessen sich vielfältig nutzen - in Festumzügen wie als Ausweis von Kunstverstand und Stolz auf die Geschichte. Repliken sollten als scheinbar historische Objekte einen spezifischen Stil repräsentieren. Die Grenze zwischen historischen Objekten und Nachschöpfungen bleibt bis heute mitunter unscharf. Wie «mittelalterlich» ist ein aus mittelalterlichem Material im 19. Jahrhundert neue geschaffenes Objekt?

Diese Momente des Verfielfältigens, des Nachahmers und Reproduzierens, veranschaulichen, wie Geschichte fortlaufend neu erzählt und neu gebaut wird. Sie relativieren auch den Begriff der Authentizität historischer Objekte.

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